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Gesellschaft Klima

Sommerlicher Herbst

Gewiss hat es einen derart warmen Spätoktober auch früher schon gegeben. Die Wetterleute werden ihn in ihren Statistiken ausmachen können. Aber vor dem Hintergrund des Klimawandels mutet eine solche Abweichung nach oben bedrohlich vor. Natürlich hat die Wärme auch ihre Vorteile. Wir verbrauchen weniger Gas und die Speicher können weiter gefüllt werden. Das nährt die Hoffnung, dass wir den Winter einigermaßen überstehen. Aber was handeln wir uns damit ein? Dieser Tage verstörte die Meldung, dass es nicht mehr möglich sein werde, das 1,5-Grad-Ziel zu erreichen. 2,5 Grad Erwärmung seien wahrscheinlich. Was das bedeutet, wissen wir längst, wahrhaben wollen wir es allerdings nicht. Befragungen der Bevölkerung haben ergeben, dass inzwischen die Angst vor den Folgen der Inflation, überhaupt die Existenzängste, die Klimasorgen verdrängt haben. Will sagen, aktuelle Notlagen verdrängen die eine große Notlage, die unser Leben auf dem Planeten betrifft. Das macht es der Politik leichter, mit CO2-Vermeidungsbeschlüssen kürzer zu treten. Ein großer Teil der Wählerschar wird es ihnen danken. Aber ist es den Menschen zu verdenken, dass ihre Sorgenkapazität begrenzt ist? Wer besorgt ist, in dessen Kopf hat nicht viel anderes Platz. Wenn die Rente knapp ist, spielen ferne Kriege keine große Rolle. Wenn der Bau des geplanten Eigenheims zu teuer wird, wird das Klima zur Nebensache. Man mag diese menschliche Schwäche beklagen, ändern lässt sie sich kaum.

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Klima Wohnen

Energielose Energiewende

Wir müssen alle, jede und jeder Einzelne, unseren Beitrag zur Energiewende leisten. So weit, so klar. Was kann man tun, wenn man mit Gas heizt, weil nur dieses bzw. Elektrizität im Viertel als Heizung erlaubt sind, nun aber beides obsolet ist. Auf die Nutzung der Erdwärme umstellen? Für ein Reihenhaus möglich, aber zu teuer und noch zu wenig ausgereift, sagt der Heizungsfachmann. Wenn man sich die Kisten anschaut, die im Garten stehen müssen und im Keller, wird einem ganz anders. Photovoltaik? Eine gute Sache, aber das Gespräch mit dem Fachmann ergab: Vor 2025 besteht kaum eine Chance, sie zu installieren. Und an Akkus fehlt es wahrscheinlich noch länger. Die Wahrscheinlichkeit, die Energiewende auf dem eigenen Dach noch zu erleben, schwindet beim Blick auf die Statistiken der Lebensversicherungen. Die Restlaufzeit alter Menschen nimmt mit jedem Monat signifikant ab. Keiner gibt ihnen noch einen Kredit. Der würde eh nicht mehr abbezahlt. Was bleibt dann? Energieeinsparung. Manche essen ihre Tiefkühlpizza kalt. Statt der Dusche nutzt man das Waschbecken. Pullover und Wollstrümpfe sparen manches Kilowatt ein. Auf Reisen kann man verzichten. Wenn man jeden Tag mit dem Bus zum Supermarkt fährt, entfällt der Wocheneinkauf mit dem PKW. Den PC kann man nach jeder Benützung ausschalten. Ein Buch zu lesen, am besten kein gedrucktes, spart den Strom für das TV-Gerät. Und dann bleiben noch die Vorteile des Klimawandels: Es wird wärmer und ergo ist weniger zu heizen. Insgesamt wird das wenig bringen. Aber das haben wir ja schon als Kind gelernt: Kleinvieh macht auch Mist.

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Geschichte Klima Politik

Stabiler Klimawandel

Zu den Schäden des Kriegs zählen nicht nur viele Tote, eine große Zahl von Flüchtenden, zerbombte Häuser, eine zerbrochene Infrastruktur, dazu der wachsende Hunger in den armen Ländern sowie steigenden Preise bei uns und anderswo, auch die dringend anstehenden Maßnahmen gegen den Klimawandel werden konterkariert. Die militärischen Aktionen pusten Riesenmengen von CO2 in die Luft. Vielleicht könnte das mal jemand ausrechnen? Russlands Kampf um imperiale Größe ist nicht nur für die Kriegstreiber teuer, auch der Rest der Welt hat hohe Kosten zu tragen. Die einen sterben an Hunger, die anderen spüren es im Geldbeutel. Das Klima geht währenddessen seinen Weg in Richtung Erwärmung, Zunahme von Extremwetter, Artensterben, steigendem Meeresspiegel. Ob das alles auch zu den Kriegszielen des Kreml-Herrschers zählt? Zuzutrauen ist es ihm. Es wird behauptet, dass der Hunger Teil der Kriegsstrategie ist. Schon einmal hat es P. geschafft, Millionen Menschen zum Flüchten zu bewegen, in Syrien. Wenn sich hungrige Afrikaner auf den Weg nach Europa machen, wird man in Moskau Jubelarien singen. Deren Ex-Präsident Medwedew hat verlauten lassen, in welchen Zeiträumen das Land denkt: In zwei Jahren, so seine Prognose, werde es die Ukraine nicht mehr auf der Landkarte geben. Aber den Klimawandel wird es mehr denn je geben. Russland, wir danken dir, dass du dazu beiträgst, die Menschheit in Angst und Schrecken zu versetzen! Denn erst nach der Apokalypse dürfte die Zeit für Demut und Handeln gekommen sein.