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Tragfähiges Sachwissen

„Ein Schulabschluss attestiert nicht nur Lernstrategien, sondern tragfähiges Sachwissen über Geschichte. Politik, Sprache, Mathematik, Naturwissenschaften, Literatur und Kultur“. So steht es im Wahlprogramm der CDU für die Landtagswahl 2026. Das signalisiert das Ende der einst von Kultusministerin Schavan eingeleiteten Transformation der Schule als bloßer Lernanstalt zur Vermittlerin von Kompetenzen. Zur Erinnerung: Kompetenz ist die von den Lerninhalten unabhängige Fähigkeit, mit dem „Wissensstoff“ umzugehen. Ob ich an Würmern oder Vögeln lerne, biologisch zu denken, ist nebensächlich. Ob ich an Gottfried Keller oder Juli Zeh lerne, mit fiktionalen Texten sinnvoll umzugehen, ist zweitrangig. Ob ich an einer Rede Bismarcks oder Habecks meine Fähigkeit zum kritischen Umgang mit politischen Aussagen erwerbe, soll im Belieben der Lehrkraft stehen. Was offenbar auch die CDU nicht verstanden hatte: Es geht bei dieser Art von Unterricht nicht um den Verzicht auf Inhalten, sondern um die inhaltliche Öffnung des Unterrichts. Weg vom vorgeschriebenen „Sternchenthema“, hin zu einer freieren Gestaltung des Unterrichts. Etwas zu können war wichtiger als etwas Bestimmtes auswendig zu wissen. Nun will man zurück zum „tragfähigen Sachwissen“. Aber wer entscheidet, was für die Zukunft tragfähig ist? Wie will man vermeiden, dass Inhalte vermittelt werden, die sich später als belanglos herausstellen? Wer mit Inhalten „umgehen“, sie einordnen, bewerten kann, ist im Leben besser dran, als wenn er „nur weiß“, dass der 30-jährige Krieg von 1618 bis 1648 gedauert hat – was so gar nicht stimmt. Die Christdemokraten stellen ganz bewusst die Geschichte an den Beginn ihrer Fächerliste, dabei ist es genau dieses Fach, in dem es darum geht, Quellen zu lesen und zu interpretieren und nicht mit Zahlen- und „Fakten“-Wissen zu brillieren. Ist der CDU nicht mehr bekannt, dass just im Geschichtsunterricht die Vorgaben der Herrschenden die Deutung der Fakten bestimmen? Vielleicht täte ein Blick in Putins Russland not, wo die „Geschichte“ zum Instrument der Propaganda verkommen ist.

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Frostige Zeiten

Die Überschrift lässt sich wörtlich verstehen: Wir haben einen kalten Winter. Dass es am frühen Morgen zweistellige Minusgrade gibt und sogar Schnee liegt, das hatten wir schon lange nicht mehr. Wir dachten, die Winter würden in Zeiten des Klimawandels milder, aber haben nicht gehört, dass der auch Extremwetter hervorbringen kann. Das derzeit als extrem Empfundene war einst die Normalität. Derzeit werden die häuslichen Heizungen einem Härtetest unterzogen und in ein paar Monaten folgt der Härtetest der Haushaltbudgets, wenn die Rechnungen fürs Heizen auf den Tisch kommen. Soweit die Überschrift in ihrer wörtlichen Bedeutung. Metaphorisch ist sie ebenfalls ergiebig. Das Gemeinwesen muss durch eine frostige Phase. Außenpolitisch weht dem Land kalter Wind ins Gesicht. Es ist umgeben von Aggressoren, mit denen man nichts Rechtes anfangen kann. So beschränkt man sich darauf, die Armee zu vergrößern und aufzurüsten. Vielleicht beeindruckt das sogar unseren Feind im Osten und unseren problematischen Verbündeten im Westen. Aber auch innenpolitisch geht es frostig zu. Wir leiden unter einer lahmenden Wirtschaft, der aufzuhelfen es der Regierung an Ideen und vor allem Geld mangelt. Wir haben ein schönes, aber teures Sozialsystem, dessen Finanzierung in den nächsten Jahrzehnten völlig ungeklärt ist. Es soll, so heißt es, eine Reform der Altersversorgung, des Gesundheitswesens und der Pflegeversicherung kommen. Wird man sich trauen, den Bürgern zu sagen, dass sie „Abstriche“ werden hinnehmen müssen, oder wird man – wie gewohnt – die Probleme durch eine Erhöhung der Verschuldung lösen? Jene, die diese Beschlüsse fassen, werden längst im Ruhestand oder verblichen sein, wenn es ans Bezahlen geht. Die Rechnung dafür wird den nächsten Generationen präsentiert. Die können einem schon jetzt leidtun. Zu den frostigen Aspekten gehört auch die Zunahme der Radikalen rechts und links. Dass mit ihnen kein Staat zu machen ist, zeigte sich jüngst in Brandenburg. Vermutlich werden unsere Brüder und Schwestern im Osten noch weitere Versuche dieser Art „wählen“. Wir werden sehen, was daraus wird.

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Schulpolitische Irrwege

Endlich sind die langen Sommerferien in Baden-Württemberg zu Ende. Wie so oft waren es am Ende Herbstferien. Aber das will man hier so, daher ist man vor vielen Jahren aus der Sommerferienvereinbarung der KMK ausgestiegen. Die Kinder und Jugendlichen dürfen sich jetzt wieder den Vorgaben des Stundenplans unterordnen, der die Vor- und Nachmittage in 45- oder 90-Minuten Einheiten gliedert. Diese Einheiten haben nichts mit Pädagogik zu tun, sondern dienen dem Zählen der Stunden, deren Anzahl pro Fach vorgegeben sind. Im Lande BW gibt es seit dem 15. September ein neues Fach: Es soll IT-Kenntnisse vermitteln und Medienkunde betreiben. Der dazugehörige Bildungsplan ist bereits im Entstehen, die Lehrkräfte, die mit dem Unterricht betraut sind, werden bald in Fortbildungen erfahren, was sie lehren sollen. Begonnen hat in BW auch eine neue G-9-Ära. Die Umstellung darauf wird sieben Jahre währen. 2032, so vermutet Häckerling, wird man dann wieder darüber diskutieren, wann endlich G 8 eingeführt wird; denn die Gymnasiasten werden in G 9 volljährig sein, wenn sie das Abitur geschafft haben, und also zu alt für den europäischen Studienbetrieb und für eine Stelle in den Betrieben, die während der Transformation nicht pleitegegangen sind. Zu vermuten steht auch, dass man BW auch in den 2030er Jahren bescheinigen wird, man habe zu wenig getan, um Kinder mit Migrationshintergrund (oder -vordergrund) mit den Feinheiten der deutschen Sprache vertraut zu machen. Das „richtige“ Sprachförderprogramm ist nämlich, wie man heute erfahren durfte, nur für solche Kinder gedacht, die Deutsch als Muttersprache haben. Ein Lichtblick am Ende des grün-schwarzen Tunnels: Im März sind Landtagswahlen, im März 2026.