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Politik

Langsame Verwaltung

Die bürokratischen Abläufe sollen beschleunigt werden, haben die Regierenden versprochen. Vor allem bei der Genehmigung von Windrädern wird Tempo angemahnt. Von der ersten Idee, eines zu errichten, bis zu seiner Inbetriebnahme dauert es offenbar rund acht Jahre. Das hat seine Gründe. Zwar wollen alle den Ausbau der alternativen Energiegewinnung und kaum jemand hat etwas gegen Windräder (und Solardächer), aber man will sie nicht vor der Haustüre (und auch nicht auf dem eigenen Dach). Dann beginnt ein Zerren zwischen den Beteiligten, werden „Rechtswege“ begangen, Gerichte beteiligt, werden Widersprüche erhoben und ganz allmählich abgebaut oder irgendwann abgelehnt. Das alles dauert seine Zeit, Zeit, die wir nicht haben. Ein anderes Beispiel für endlose Verzögerungen und „bürokratische Hemmnisse“ ist der sog. Digitalpakt. Viele haben längst vergessen, dass es ihn gibt. Die Beratungen darüber begannen, wenn ich mich recht erinnere, bereits 2018. Inzwischen sei sogar Geld geflossen, ist zu hören. Ob die „abgeflossenen Mittel“ im höheren einstelligen oder niedrigen zweistelligen Bereich liegen, weiß keiner so genau. Jedenfalls ist das Ganze ein bürokratischer Rohrkrepierer. Es wurde vorab viel geregelt. Dann kam die Pandemie. Aber statt nun das „Regelwerk“ zu überarbeiten, wurde es belassen. Stattdessen kamen andere digitale Förderungen, die tatsächlich schneller waren. Inzwischen dümpelt der Digitalpakt weiter vor sich hin. Das macht wenig Hoffnung für eine Beschleunigung der Verwaltungsabläufe. Offenbar sind diese Prozesse so hartnäckig und unabänderlich, dass keiner sich traut, diesen gordischen Knoten mit einem Schwert zu durchhauen. Nur bei den Coronaregeln ist die Staatsmacht schnell. Sie setzt das am späten Nachmittag Beschlossene um Mitternacht in Kraft. Das geht deshalb, weil mit dem Erlass der Regeln die Bürokratie fertig ist. Die Umsetzung überlässt sie uns anderen. Kontrolliert wird die Umsetzung des Angeordneten nicht. So also könnte die Beschleunigung der Bürokratie gelingen.

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Gesellschaft Kirche

Zerbröselnde Kirchen

Für die katholische Kirche kommt es gerade knüppeldick. Solide Gutachten weisen nach, in welch laxer Weise man intern mit Kinderschändern umgegangen ist. Man kann das ja verstehen: Die Kirche lebt schon immer vom Corpsgeist und von ihrer moralischen Exklusivität. Letztere pflegt man durch große Worte, Ersteren durch das Schweigegebot. Wer redet, wird bestraft. Wer das Nest beschmutzt, fliegt raus. Keiner verkörpert das so überzeugen wie der ehemalige Papst. Er ist der Vollkommene schlechthin, einer, der nie Fehler gemacht hat, eine Ikone der Moralität. Weil nicht sein kann, was nicht sein darf, leugnet er jegliche Verstrickung ins moralisch Minderwertige. Das hat Ähnlichkeiten mit Russland, das zwar alle möglichen Schweinereien anstellt, aber nie zugibt, daran beteiligt zu sein. Gespannt sein darf man, was die Kirche mit den 100 anstellt, die sich gestern als nicht heterosexuell geoutet haben. Ihnen müsste eigentlich gekündigt werden, weil die katholische Kirche derlei Gott nicht wohlgefällige Schweinereien nicht akzeptieren kann. Die Verdrossenheit der katholischen Gläubigen angesichts der schlechten Performanz ihrer Kirche sei auf einem neuen Höhepunkt angekommen. Und wo stehen die Evangelischen? Auf sie färbt das schlechte Image ihrer katholischen Brüder und Schwestern ab. Kirche ist Kirche. Die Austrittszahlen sind hoch. Was tun? Die Geschichte aussitzen? Weitermachen wie bisher? Aber auch dieses Bisher hat etwas Trübseliges. Gottesdienst mit Maskenpflicht und dem Hinterlassen der persönlichen Daten, Sitzen auf Abstand und Vermeiden jeden Gesprächs post festum, Predigten, die sich um die brennenden Fragen herumdrücken … Wo ist der neue Geist, der große Aufbruch, das Beschreiten neuer Wege, das ständig beschworen wird? Statements der Kirchenleitungen zu Corona, Klima, der Spaltung und der geistigen Verödung unserer Gesellschaft schaffen es nicht einmal in die Tagesschau. Denn so ist es nun mal: Was nicht zur Topmeldung wird, bleibt ohne Wirkung. Was bleibt: das Zuschauen beim Zerbröseln der Kirchen.

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Gesellschaft Gesundheit

Undurchseuchte Gesellschaft

Der Ausweg aus der Pandemie leuchtet am Horizont auf: Wir alle haben unsere Körper aktiviert, dass er im Virusfall Antikörper und T-Zellen in Stellung bringt, die sich dem viralen Feind entgegenstemmen. Damit der menschliche Körper zu dieser Leistung fähig wird, bedarf es des Trainings. Trainiert wird er, wenn er erkrankt oder wenn man ihm durch Impfen auf die Sprünge hilft. Am besten durch beides. Das Kranksein allein birgt gewisse Risiken, denn man kann schwer erkranken, und das ist dann kein Vergnügen, sondern manchmal eine Sache auf Leben und Tod. Nun wollen sich manche nicht impfen lassen. Wenn sie Glück haben, bekommen sie Covid in leichter Form und werden fortan immun. Dann hat das Virus bei seinen Attacken weniger Erfolg. Wenn sie Pech haben, erkranken sie schwer und müssen ins Krankenhaus. Dort sind sie ein Stein des Anstoßes für das Personal. Aber man kann nicht immer geliebt werden, wenn man das Impfen nicht liebt. Und wir anderen, wir Geboosterten? Wir können auch erkranken, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die Ansteckung schwerwiegende Folgen hat, sei, so heißt es, bei uns geringer. Das könne man, das kann man durch Zahlen belegen. Wir bewegen uns hier auf dem Feld der Wahrscheinlichkeitsrechnung. An diesen Schulstoff erinnern sich leider nur wenige. Das ist vielleicht ein Grund dafür, dass sie ihr Risiko nicht einschätzen können. Manchmal lernt man in der Schule sogar fürs Leben oder Überleben. Nun hoffen wir, dass aus der Pandemie demnächst eine Endemie wird und auch Covid-19 zu einem beherrschbaren Ansteckungsgeschehen. Manche Staaten scheinen auf dieses Ziel hinzuarbeiten. Sie lassen das Virus agieren und warten darauf, dass die Bevölkerung „durchseucht“ ist. Nun denn also: Augen zu, Maske auf und durch!