Kategorien
Energie Klima Politik Reformen

Aufgegebene Ziele

Der von ihr selbst eingesetzte Klimarat hat der Bundesregierung mitgeteilt, sie werde ihre Klimaziele nicht erreichen. Mit den für die nächsten Jahre geplanten Maßnahmen sei das unmöglich. Diese Meldung taucht in der Zeitung eher am Rande auf, nimmt jedenfalls weniger Platz ein als der Artikel über die europäischen Christdemokraten (ich sage nur Weber), die am Aus für das Verbrenner-Aus arbeiten. Ganz so ungeniert agiert die einheimische CDU nicht. Sie bekennt sich weiterhin zu den Klimazielen, tut aber zu wenig, um sie zu erreichen. Sie kümmert sich kaum um die weitere Ausbreitung der erneuerbaren Energie, sondern setzt ungeniert aufs Gas, sie führt einen heimlichen Kampf gegen die Wärmepumpe und die Photovoltaik. Auch hat sie keinerlei Ideen, wie sie die energetische Sanierung des Wohnungsbestandes voranbringen will. Immerhin gibt es jetzt wieder Zuschüsse für den Kauf von (neuen) E-Autos, aber das ist im Grunde eine versteckte Subventionierung der leidenden Automobilindustrie. Von einer merklichen Förderung des ÖPNV ist keine Rede mehr, man muss schon dankbar sein, wenn es das Deutschland-Ticket noch gibt. Nun kann man den Regierenden kaum einen Vorwurf machen; denn der Trend läuft gegen den Klimaschutz. Man mag, so scheint es, der AfD, die mit der Leugnung des Klimawandels auf Stimmenfang geht, das Feld nicht ganz überlassen. Oder will man gar Trump nacheifern, der an der Spitze der Leugner steht? Wir werden also die Klimaziele verfehlen, sagen die Sachverständigen. Na und, höre ich die Regierung murmeln, wir verfehlen noch ganz andere Ziele. Da kommt es darauf nicht mehr an.

Kategorien
Energie Klima Politik Wirtschaft

Alltagstauglicher Klimaschutz

Über nichts hat sich die CDU als Opposition mehr aufgeregt als über das Gebäudeenergiegesetz, kurz GEG, der einstigen Ampelregierung. Die wollte damit den Klimaschutz voranbringen. Es galt die 65-%-Regel beim Einbau neuer Heizungen. Die ist jetzt vom Tisch. Drei Jahre, von 2026 bis 2029, geschieht klimatisch in Sachen Heizung so gut wie nichts. Danach gilt eine moderate Grüngas- oder Grünölquote von 10 %. Damit wird der Heizungsbeitrag auf ein Sechstel des Ampelgesetzes reduziert. Die ab 2029 geltende Bio-Treppe soll angeblich zu einer Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Gebäudebereich beitragen. Das Verb „beitragen“ sagt nichts über das Maß des Beitrags. Man muss sich das wie das ungeliebte Superbenzin E 10 beim Verbrenner vorstellen. Es taugt für den Klimaschutz so gut wie nichts. Dazu passt der Satz von Katherina Reiche: „Wir ersetzen ein Gesetz, das viele Menschen verunsichert hat, durch eines, das auf Vertrauen, Technologieoffenheit und Machbarkeit setzt. Mit dem Gebäudemodernisierungsgesetz machen wir Klimaschutz wieder alltagstauglich: weniger Ideologie, mehr Pragmatismus, mehr Planungssicherheit und mehr Freiheit für Eigentümer, Mieter und Unternehmen“. Man beachte die drei Schlüsselsubstantive: „Vertrauen“ – in wen eigentlich? – „Technologieoffenheit“ – gleich Rückkehr zu den alten fossilen Heizungsarten – und „Machbarkeit“ – als ob die Heizungsbauer nicht schon länger auch den Einbau von Wärmepumpen „machen“ könnten. Liebes Wirtschaftsministerium, mit solch verschwurbelten Formulierungen kaschierst du „alltagstauglich“ (= floskelhaft) deine Abkehr vom Klimaschutz.

Kategorien
Energie Politik Technik Wirtschaft

Verspielte Energiezukunft

Vor mir liegt ein engagiertes Buch gegen einen bedrohlichen Trend: Claudia Kemfert: Kurzschluss, erschienen 2026 im Campus-Verlag. Während allenthalben die Rückkehr zu den fossilen Brennstoffen befördert wird und es sich vor allem die jetzige Bundesregierung angelegen sein lässt, die Transformation zu bremsen, kämpft Claudia Kemfert für eine mutige Abkehr von jenen Energien, die nicht nur dem Klima schaden, sondern auch künftig sehr viel Geld kosten. Die wichtigste deutsche Wissenschaftlerin für Energie- und Klimaökonomie, wie sie genannt wird, sieht die Hauptgegner der Energiewende in jenen Kreisen, die bewusst oder in fahrlässiger Unkenntnis falsche Behauptungen in die Welt setzen. Sie entlarvt die Fadenscheinigkeit des Begriffs „Technologieoffenheit“, wendet sich gegen die wirtschaftliche Idiotie einer Rückkehr zur Kernkraft und geißelt die Behauptung, Deutschland drohe ein Blackout. Das Gegenteil sei richtig. Deutschland produziere eher zu viel Energie und wisse manchmal nicht, wohin damit. Dabei gebe es bereits ausgereifte Methoden der Energiespeicherung, die aber zu wenig gefördert würden. Stattdessen subventioniere man weiterhin die fossilen Energien, z. B. durch zu niedrige oder gar keine Steuern auf Diesel oder Kerosin. Kemfert geht mit der aktuellen Politik streng ins Gericht. Man lasse die Hausbesitzer in der Heizungsfrage unter dem Vorwand, ihnen nichts vorschreiben zu wollen, in eine Kostenfalle rennen, und man verschweige ihnen, dass sie ihre Immobilie energetisch sanieren müssen, wenn sie deren Wert erhalten wollen. Wer sich angesichts der aktuellen weltpolitischen Ereignisse und der immer teurer werdenden Abhängigkeit von Öl und Gas über Alternativen informieren will, dem sei dieses Buch empfohlen. Sein Untertitel lautet: Wie wir unsere Energiezukunft verspielen.